Interview mit Patricia Reichensdörfer

Dirndl Upcycling: aus Alt mach Neu 

Neulich hab ich euch gefragt, welche starke Frau in meinen Podcast soll. Patricia war die erste, die mir von meiner ehemaligen Kollegin Bettina empfohlen wurde, und ich muss Bettina Recht geben: Patricia ist eine verdammt starke Frau!

Sie hat ihre Leidenschaft zum Nebenberuf gemacht und verkauft seit 2016 in ihrem kleinen Laden im Kreativquartier „alte Kämmerei“ in der Pfaffenhofener Innenstadt ihre selbst gemachten FranzXaver Dirndl. Sie arbeitet dafür alte Dirndl aus den 1930er bis ca. 1980er Jahren auf und hat seit 2017 sogar eine eigene Kollektion. Jedes Kleid ist ein Unikat. Auch in ihrer eigenen Kollektion gibt es jedes Kleid nur einmal in jeder Größe. Wie sagt sie so schön: “Eben g`macht in Bayern!” Aber sieh und hör selbst: Viel Spaß beim Interview!

Podcast – Annie und die starken Frauen

Was interessiert dich beim nächsten Interview? Welche Fragen soll ich stellen? Wo möchtest du mehr erfahren? Schreib mir oder kommentiere den Beitrag. Ich setze es gern direkt in einer der nächsten Folgen um.

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Show Notes

Alles auf einen Blick: Hier sind die Links zu den Themen, über die im Podcast gesprochen wurde. Viel Spaß beim Nachlesen und selbst ausprobieren. 

Patricias Website
Hier geht es zu Patricias Onlineshop.

Was ist Arbeit?

Mittlerweile ist das Ganze für Patricia auch mehr als nur ein Hobby. Dass sie Samstags im Laden steht und verkauft, stört die gebürtige Pfaffenhofenerin auch überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil – Die Gespräche mit ihren Kundinnen machen ihr Spaß und ich kann die Leidenschaft in ihren Augen sehen und ihrer Stimme hören. Das wünsche ich mir auch für dich, wenn du dein Herzensbusiness realisierst. Es soll sich nicht wie Arbeit anfühlen, nicht schwer und anstrengend und ermüdend sein.

Dein Business soll Freude und Kraft bringen, ein Lächeln in dein Gesicht und das deiner Kundinnen zaubern. Nur so wird es langfristig Bestand haben. Wenn du dann noch eine clevere Geschäftsfrau bist und dein Geld im Griff hast, kannst du Großes bewirken, deinen Traum leben und die Welt ein Stückchen besser machen, so wie Patricia. Ich finde es klasse, dass sie sich in der heutigen Wegwerfgesellschaft auf Traditionen und das Handwerk besinnt und schon längst vergessene Schätze in alten Kleiderschränken wieder verwertet.

 

Was ist deine Mission?

Was kannst du gut und womit kannst du anderen Menschen helfen? Diese Frage solltest du dir bei deiner Businessidee stellen. Konzentriere dich auf deine Stärken und hol dir Hilfe bei den anderen Themen, die du vielleicht nicht so gut kannst oder nicht so gern machst. Probier dich aus und finde heraus, was dir und anderen Freude bringt.
Patricia liebt die Handarbeit und offensichtlich ist sie sehr gut darin Dirndl zu schneidern. Ihre Kundinnen freuen sich über die Unikate und haben beim nächsten Volksfest ein Lächeln im Gesicht. Die alten Dirndln bezieht sie aus der Umgebung und die ehemaligen Besitzerinnen freuen sich über die Weiterverwendung. Patricia vereint jung und alt in ihrem kleinen Wohnzimmer, wie sie ihren Laden liebevoll nennt.

Video – Annies YouTube-Kanal

Du magst dir das Interview als Video anschauen? Bitteschön – hier ist mein Frau Schnabelkraut YouTube-Kanal

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Fragen & Antworten

Du möchtest die Kernaussagen noch einmal auf einen Blick? Du magst lieber Lesen als Zuhören? Kein Problem. Hier findest du das für dich aufbereitete Transkript der Podcast-Folge. Viel Spaß beim Nachlesen.

[01:26] Was machst du und wie kam es dazu?
Ich habe meinen Laden schon im Studium eröffnet. Ich habe Wirtschaftspsychologie im Bachelor und Soziologie im Master studiert, bin aber jetzt ein ganz, ganz wilder Mix aus allem. Ich arbeite nicht, in dem Beruf, den ich studiert habe, sondern bin in der Fahrzeugentwicklung tätig.
[01:51] Du hast einen Laden aufgemacht und kreierst Dirndl. Wie kam es zu deiner eigenen Kollektion?

Es hat damit angefangen, dass man sich als Schülerin und Studentin nicht leisten kann, immer wieder ein neues Dirndl zu haben. Ich war schon als Kind handwerklich begabt und meine Mutter hat immer alte Stücke gesammelt. Es hat mich dann irgendwann gepackt. Die Tradition zusammen mit der handwerklichen Komponente fand ich spannend und es macht mir heute noch viel Spaß. Ich sitze sehr gerne an der Nähmaschine. Jeder kennt es ja mit alter Kleidung: Man passt nicht mehr rein, es fehlt ein Knopf oder die Mode geht einfach weiter. So kommen die Leute in meinen Laden, oft beginnt es mit einem Teil wie einem Tuch oder einem Dirndl, das nie fertig geworden ist. Ich habe auch schon ganze Kleidersäcke von Kunden bekommen.

[06:31] Machst du nur Einzelstücke?

Ja, die alten Originaldirndl, das sind alles Einzelstücke. Ich habe jetzt in den ganzen Jahren, in denen ich den Laden habe, nur zweimal gehabt, dass ich dasselbe Dirndl hatte. Klar, früher gab es auch Stangenware bis in die 70er, 80er Jahre. Die Leute fragen oft: Gibt es davon eine andere Größe? Das ist sowohl ein Vorteil als auch ein Nachteil, jedes Teil in meinem Laden gibt es nur einmal.

[08:24] Wie kommen denn die Kunden zu dir? Kaufen sie vorwiegend im Laden oder eher über den Onlineshop?

Meine Kunden kaufen vorwiegend im Laden, das liegt aber auch wirklich an diesen Einzelstücken. Es ist selten so, dass ein altes Dirndl von Anfang an passt. Wenn ich die Kunden frage, ob ihnen etwas gefallen hat, sagen viele: „Gefallen ja, aber passt nicht!” Die Figuren waren früher ganz anders, vieles ist wirklich handgemacht auf eine andere Statur. Dann gehen wir gemeinsam hin und schauen, was das Dirndl hergibt. Wenn es zu groß ist, machen wir es kleiner – da ist es relativ variabel.

Wenn das Dirndl zu klein ist, müssen wir ebenfalls schauen, was das Dirndl hergibt und was gefällt. Manche wollen es auch kürzer oder länger, wollen keine Ärmel oder wollen eine Bluse eingenäht.Natürlich geht auch die Kreativität vom Besitzer mit rein in die Konzeption. Ich bin immer wieder positiv überrascht, dass die Leute mir so ein wahnsinniges Vertrauen entgegenbringen.

[10:26] Gibt es eine coole Kundenstory, die du mit uns teilen kannst?
Da gibt es ganz viele. Kinder haben diese lustige Art und lachen viel… Erst wollen sie das Dirndl nicht anziehen, aber wenn Mama oder Papa es dann zugeknöpft haben, freuen sie sich wie ein Pony und sagen: „Das ist genau meine Farbe!” Oder Teenager, die sind oft erst sehr verunsichert, aber dann winken sie mir beim Volksfest zu …Ich hatte auch mal eine Kundin, die war weit über 80. Sie hat ein Dirndl gebracht, das ihr gepasst hat, als sie vielleicht 40 Jahre alt war. Es freut mich richtig, dass sie jetzt sagt: „Ich habe das Dirndl praktisch 40 Jahre nicht angehabt, aber jetzt passt es so gut und ich hab´ mich bei der jungen Dame so aufgehoben gefühlt.” Ich freue mich einfach über jeden, den ich sehe!
[13:42] Wie vereinbarst du Familie, Freunde und deinen normalen Job?

Ich werde das oft gefragt, aber ich brauche das tatsächlich. Das ist ein guter Ausgleich für mich. Ich arbeite wie viele andere Leute am Laptop. Obwohl ich immer wieder mal unterwegs bin, ist das ein anderes Arbeiten. Ich könnte natürlich sagen: Ich schaffe das nicht mehr neben meinem Beruf, das wird mir zu viel. Aber ich setz mich gerne auch am Wochenende hin und arbeite in meinem Laden. Die Familie und Freunde halten zusammen und ich habe immer wieder auch Leute, die mir 2-3 Stunden aushelfen. Oder dann ist der Laden halt mal zu – die Menschen sind unglaublich verständnisvoll. Wenn ich am Samstag um 17 Uhr aus dem Laden gehe, denke ich nie, dass es ein verlorener Tag war. Da sind so viele Geschichten und man lernt immer etwas dazu. Dieser Austausch macht mir so viel Freude.

In welchem kreativen Umfeld arbeitest du? Wie muss man sich das vorstellen?

Die größte Herausforderung sind die hohen Mieten. In Pfaffenhofen gab es einen Studio-Projekt Laden, da konnte man sich auf die Selbstständigkeit vorbereiten. Man hat ein halbes Jahr Unterstützung bekommen, z. B. in Form einer Erstausstattung und Beratung. Darauf habe ich mich beworben, aber auch hier gab es das Problem mit der teuren Miete. Mir wurde dann gesagt: Wir haben da noch ein anderes Konzept, das Kreativquartier. Es ist auch ein städtisches Gebäude, das man dem Kunstverein der Stadt Pfaffenhofen überlassen hat. So habe ich meinen Raum gefunden. Ich sage immer: Mein Laden mit dem Wohnzimmer-Feeling, das kein Schaufenster hat, ist Teil dieses Kreativquartiers. Es ist ein sehr kreativer Austausch. Wir – eine Gruppe von Künstlern – arbeiten gemeinsam und jeder bringt Ideen mit ins Boot.

[28:32] Was würdest du Gründerinnen als Tipp mit auf den Weg geben?
Man sollte nicht ganz ins Blaue reinspringen und sich schon etwas überlegen. Aber was ich wirklich gelernt habe, auch in Kontakt mit anderen Frauen, die selbstständig sind, ist: Man braucht das Quäntchen Durchhaltevermögen. Bei keinem funktioniert das wirklich von null auf hundert. Ich glaube, man muss einfach wirklich voll und ganz hinter dem stehen, was man tut – auch die Familie und Freunde. Alle meine Freundinnen sind voll dabei. Ein Konzept von meinem Laden ist auch, dass ich immer Informationen teile und Leute vernetze. Ich glaube, wir stellen uns manchmal selbst ein Bein, indem wir zu viel abwarten und zögern.
[32:49] Stichwort finanzielle Freiheit: Du hast dir ein Lebenskonzept mit einem sicheren Einkommen aufgebaut. Wie siehst du das?

Annie: Ich spreche viel über das Thema finanzielle Freiheit. Du hast ein Lebenskonzept aufgebaut, wo du weißt, du hast ein sicheres Einkommen. Du hast aber trotzdem die freie Zeit und nicht den Finanzstress im Rücken. Das heißt du gehst mit einem ganz anderen Mindset da rein. Selbstständigkeit – ob Teilzeit oder Vollzeit – ist für mich eines der höchsten Güter gerade wegen der Freiheit.

Patricia: Es ist natürlich eine andere Art von Druck. Ich sitze auch mal freitags bis in die Nacht im Laden, weil etwas für Samstag fertig werden muss. Ich könnte natürlich sagen: Morgen mache ich nicht auf. Aber man möchte ja auch die Leute wiedersehen und nicht, dass sie vor den Kopf gestoßen sind. Ich habe total viel über mich selbst gelernt. Obwohl ich Wirtschaftspsychologie im Bachelor studiert habe, wo man sich ja im Studium schon einmal selbst „durchwäscht“ – im Laden habe ich mich selbst noch einmal ganz anders kennengelernt und auch die Generation meiner Eltern.

[44:36] Gibt es noch etwas, was du Gründerinnen noch mitgeben möchtest oder eine Geschichte, die dich geprägt hat?
Die Geschichte mit der alten Dame hat mich zum Beispiel sehr geprägt. Es sind so viele Geschichten und Begegnungen. Es muss nicht immer alles weiter, höher, schneller sein. Nicht jeder muss dreimal im Jahr teuer in Urlaub fahren oder zwei Autos haben, sondern man kann auch mal sagen: Ich erlaube mir zu scheitern. Dann ist es halt nicht der Urlaub, aber du hast es mal ausprobiert. Das ist für mich die Quintessenz und auch meine Erfolgsstory. Ich wünsche es mir für mehr Frauen, dass sie sagen: Ich mach das jetzt einfach. Was kann denn schon passieren? Also dranbleiben und für die eigene Sache brennen!
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