Interview mit Kery Fay

Musikbusiness hinter den Kulissen 

Wer meinen Blog schon eine Weile verfolgt, weiß, dass ich bereits letztes Jahr einen Beitrag zu Kery Fay veröffentlich habe. Damals hatte sie gerade ihr erstes Album LIGHTS & SHADOWS am Start und meine ehemalige Kollegin und Kery’s heutige Managerin Nicola von brandmade machte mich auf sie aufmerksam.

Dieses Jahr wird Kery vor Millionen von Menschen zu Silvester 2019 am Brandenburger Tor in Berlin singen und ich freue mich, sie vorher vor mein Mikro und meine Kamera bekommen zu haben. Wir erzählen über das Auf und Ab im Musikbusiness und Kery verrät, was sie im Laufe der letzten Jahre als Unternehmerin gelernt hat. Viel Spaß beim Interview!

Podcast – Annie und die starken Frauen

Den Podcast kannst du überall hören, wo es Podcasts gibt oder direkt auch hier auf der Seite streamen. Ich freue mich über neue Abonnenten und deine Bewertung bei iTunes.

Show Notes

Kerys Links aus der Podcast-Folge.

Kerys Website
Mehr zu Kery findest du hier.
Kerys Album
Hier kannst du Kerys Album anhören.

Versicherungen: Ja oder Nein?

Jeder von uns hat ein eigenes Risikoempfinden und jeder von uns hat sich deshalb mehr oder weniger dagegen abgesichert. Ich als ehemalige Bankkauffrau bin so ziemlich gegen alles abgesichert und gehe aus meinem persönlichem Empfinden lieber auf Nummer sicher. Das hat mich schon oft vor einem teuren Erwachen geschützt. Für andere Menschen, wie für Kery, ist das anders. Gibt es da ein Richtig oder ein Falsch? Nein.

Du musst für dich herausfinden, was zu dir und deinem Business passt. Bei einigen Unternehmungen sind bestimmte Versicherungen sogar Pflicht. Als freie Immobilienmaklerin musst du beispielsweise eine Betriebshaftpflichtversicherung nachweisen. Wenn du für dein Business große Anschaffungsinvestitionen tätigst und beispielsweise teure Maschinen oder hochwertige Ladeneinrichtungen kaufst, solltest du darüber nachdenken, ob du dein Betriebsvermögen schützen möchtest. Dabei gilt: Erst verstehen, dann versichern, so wie das Bastian von Versicherungen mit Kopf in einem meiner letzten Interview erläutert hat. 

Video – Annies YouTube-Kanal

Du findest alle Podcast-Folgen auch also Video auf meinem Frau Schnabelkraut YouTube-Kanal. Viel Spaß beim Anschauen.

Fragen & Antworten

Du möchtest die Kernaussagen noch einmal auf einen Blick? Du magst lieber Lesen als Zuhören? Kein Problem. Hier findest du das für dich aufbereitete Transkript der Podcast-Folge. Viel Spaß beim Nachlesen.

[01:02] Erzähl mal meinen Zuhörern, die ich noch nicht kennen, wer du bist und was du machst.
Ich bin Kery Fay, Sängerin, Songwriterin, Musikerin. Mein Leben besteht aus Musik zu 100 Prozent bzw. zu 95 Prozent, würde ich sagen. Ich bin gebürtige Ukrainerin, lebe aber schon seit meinem 13. Lebensjahr in Hamburg.
[01:38] Wie würdest du deine Musik beschreiben?

Wenn man sich meine Musik auf Spotify und so weiter anhört, ist es Elektropop, also elektronische Popmusik. Ich schreibe alle Songs selbst und deswegen gibt es auch sehr viele akustische Versionen. Das heißt, wenn jemand nicht auf Elektropop steht, kann er sich auch die Versionen anhören, bei denen ich pur am Piano sitze oder am Flügel oder mit dem Gitarristen unterwegs bin.

[02:13] Wann kam dein letztes Album raus und steht schon ein nächstes Projekt an?

Also mein erstes Album, mein allererstes Baby sozusagen, kam im Februar 2019 raus und das heißt Lights & Shadows, Lichter und Schatten unseres Lebens. Ich war echt produktiv dieses Jahr. Ich habe vier Singles veröffentlicht, mehrere Musikvideos. Ich habe viele Konzerte gegeben. 2019 war schon so ein powervolles Jahr, was ich jetzt auch sehr powervoll beenden werde: Ich darf in der Silvesternacht mit meiner Band am Brandenburger Tor auftreten!

[03:02] Wie sah dein Weg in die Selbstständigkeit bisher aus?

Der Anfang von diesem großen Weg war eigentlich mit 17. Damals bin ich zum Finanzamt gegangen und habe meine Selbstständigkeit angemeldet, weil ich schon damals während meiner Ausbildung zur Musicaldarstellerin in einer Coverband gesungen habe. Ich habe dann eine Steuernummer bekommen und war zunächst Kleinunternehmerin. Ich hatte keine Ahnung von Steuern und musste mich erst einmal intensiv damit befassen.

[05:09] Du hast gesagt, du hattest einen Steuerberater. Wie hast du dir das ganze Wissen über die Selbstständigkeit erarbeitet?

Ich glaube, ich habe das große Glück, dass ein Teil meiner Familie sehr organisiert ist. Mein Vater zum Beispiel und seine Oma, meine Urgroßmutter, war Sekretärin gewesen. Von ihr habe ich schon als Kind viel gelernt. Sie hat mir beigebracht, wie man ordentlich und gut strukturiert ist.

[06:54] Wie habt ihr denn mit der Band die Finanzen geregelt?

Wir waren eine klassische Top 40 Band und hatten viele bekannte Songs. Ich war mal Tina Turner, mal Katy Perry, was auch sehr anstrengend für die Stimme war, weil man ein großes Spektrum an Sängerinnen abdecken muss. Ich habe mit 17 oder 18 damit angefangen und in der Band vier erwachsene Männer. Es war etwas schwierig für mich, weil sie immer mehr Druck ausgeübt haben. Sie wollten, dass ich mich immer mehr verkleide und verstelle. Irgendwann habe ich dann diese Band verlassen. Meistens läuft es so, dass der Bandchef die Gage einnimmt. Ich habe dann eine fixe Gage bekommen. Mal war es weniger, mal mehr.

[08:25] Jetzt bist du ja deine eigene Band. Wie funktioniert es da?
2014 habe ich den Künstlernamen Kery Fay angenommen und gesagt: Okay, ich möchte mich hundertprozentig nur auf meine eigene Musik konzentrieren. Kein Theater, kein Musical, keine Coverband. Ich will nur das machen, was ich schreibe und mit meiner Musik vorankommen. Ich hatte schon Auftritte, aber noch keine Band. Die ersten Auftritte waren ohne Gage. Und dann hat man natürlich gemerkt, dass es dann immer mehr wurde und ich dann auch den Veranstaltern eine Rechnung stellen musste. Manchmal schickt mir der Veranstalter einen Vertrag, oder manchmal sagen sie: „Hey, hast du ein Künstlervertrag? Schick uns das gerne zu.“
Es ist immer unterschiedlich.
[09:45] Wie findet man denn als Sängerin seine Kunden oder Plätze, wo man auftreten kann?

Wenn man das große Glück hat, hat man am Anfang schon eine Booking Agentur. Die kümmern sich um alle Konzerte. Oder man guckt selbst, dass man sich ganz am Anfang natürlich klassisch bewirbt. Es gibt auch Portale, wo man sagen kann: „Hey, wir haben ein Festival im Sommer. Wir suchen fünf Bands für dieses Genre.

Bewirbt euch.“ Ganz am Anfang habe ich auch Musikwettbewerbe gemacht. In Hamburg habe ich bei einem bekannten Wettbewerb teilgenommen und den fünften Platz bekommen. Das sind die ersten Schritte. Wenn ich mich jetzt daran erinnere und alte Videos anschaue, denke ich, dass vieles anders machen würde. Aber ich glaube, das ist ein Lernprozess.

[10:55] Was war denn dein größtes Learning auf dem Weg?
Ich glaube, man muss sich Leute suchen, mit denen man sich versteht und die einen auch unterstützen. Also ich bin schon im großen Ganzen eine One-Woman-Show, da ich keine klassische Band bin. Momentan sind 2-3 Leute auf der Bühne. Aber wenn wir Interviews machen, das bin ich: Kery Fay. Wenn etwas passiert, muss ich dafür finanziell geradestehen. Einerseits ist es toll, weil ich die Aufmerksamkeit bekomme, aber andererseits auch nicht so gut.

Bei Bands kümmern sich alle gemeinsam um die Sachen. Jetzt ist es einfacher, weil ich eine Plattenfirma habe, aber früher habe ich mich selbst um alles gekümmert. Am Anfang hatte ich mit meiner Managerin ein paar Auseinandersetzungen, als sie Dinge erledigen wollte, die ich vorher gemacht hatte. Jetzt sind wir schon ungefähr seit einem Jahr Partner und es ist viel besser geworden. Ich merke, dass ich viel mehr losgelassen habe.

[14:35] Wer unterstützt dich neben deinen professionellen Teammitgliedern?

Ohne jetzt ganz emotional zu werden: meine Familie. Ich habe das große Glück, dass meine Eltern Musiker sind. Wir sind ja quasi auch durch die Musik nach Deutschland gekommen, weil mein Vater hier ein Engagement bekommen hat. Egal welches Problem ich habe, ob musikalisch oder organisatorisch oder wenn ich einfach nur ein offenes Ohr brauche, ich kann meine Familie immer erreichen.

Wir sind eine kleine Familie, aber wir haben so einen Halt. Ich bin echt dankbar, dass ich sie habe. Ich habe immer Leute, auf die ich mich verlassen kann. Auch Freunde, die inzwischen ein fester Teil meines Teams sind und zu jedem Auftritt mit mir reisen, mir helfen beim Bühnenaufbau oder Backstage.

[16:26] Du bist stark eingebunden und viel unterwegs. Wie kommt deine Familie damit zurecht, dass du als freischaffende Künstlerin vielleicht wenig Zeit für sie hast?
Ich habe viele Freunde, die Künstler sind und es nachvollziehen können. Meine beste Freundin ist Akrobatin und ist viel auf Schiffen dieser Welt unterwegs. Es gibt aber wiederum andere Freunde, die einen immer wieder einladen zu einer Gartenparty oder Raclette. Und wenn du dann aber einmal, zweimal, dreimal abgesagt hast, irgendwann merkst du, die laden dich gar nicht mehr ein. Das ist dann schon so ein Moment, wo ich denke, dass ich nicht alles haben kann.
[18:58] Wie gehst du damit um, dass dein Einkommen schwankt?

Kery Fay: Das Schwierige ist, dass man nicht diese Beständigkeit hat. Man hat Monate, wo es super läuft und man echt gut verdient durch Gagen oder Gema-Ausschüttungen.
Für alle, die es nicht wissen: Gema ist mein guter Freund. Schon bevor ich zum Finanzamt gegangen bin, war ich Gema-Mitglied, weil ich mir gesagt habe: Du schreibst deine eigenen Songs, du bist Autor. Das heißt, ich bin nicht einfach ein Interpret, der irgendwelche Songs nimmt, sondern ich mache das selbst. Also muss ich meine Lieder bei der Gema registrieren.

Wenn du noch nicht Helene Fischer bist oder ein Superstar, kriegst du natürlich nicht so viel durch die Plays oder Downloads von deiner Musik auf Spotify und iTunes, sondern je mehr du spielst, desto mehr spielst du mit deiner Musik ein. Das heißt nach jedem Konzert trage ich alle meine Songs und Infos in die Gema ein. Die wichtigste Frage: Welche Lieder habe ich gespielt? Dann muss ich jedes Lied aufzählen von mir und die Gema rechnet das ein Jahr später aus.

Annie: Die ziehen das dann vom Veranstalter ein?

Kery Fay: Ja genau. Die Veranstalter müssen das anmelden.

[21:07] Dann weißt du ganz genau, was du in einem Jahr an Geld bekommst?
Eben nicht! Man weiß nie genau, wieviel die Gema ausschüttet. Du musst dir das so vorstellen: Die Gema ist ein riesiger Topf, in den ganz viele Gelder fließen. Die schauen dann, wie viele Künstler Veranstaltungen eingetragen haben und dann wird es über verschiedene Kanäle ausgeschüttet. Für ein Konzert bekommt man mal 100 Euro, für ein anderes 35 oder 900 Euro. Ich weiß nie, wie viel die Gema ausschüttet.
[23:39] Du hast verschiedene Einnahmequellen wie Gagen und Gema-Ausschüttungen. Wie funktioniert das dann mit Spotify?

Seit knapp zwei Jahren habe ich einen Plattenvertrag. Da läuft es seitdem sowieso anders. Früher war ich Independent Artist und hab meine Musik über einen Online-Vertrieb vertrieben. Das heißt 80 Prozent der Einnahmen gingen an mich und 15 Prozent gingen an den Vertrieb. Streaming-Plattformen sind ja gerade sehr im Kommen. Da bekommt man als Künstler nur 0,01 Cent pro Download, was auch mit dem Label geteilt werden muss.

Das heißt man muss sehr viel gestreamt und gespielt werden, damit überhaupt 10 Euro zusammenkommen. In den 90ern konnte man richtig viel Geld mit CDs verdienen und gut als Musiker leben. Um 2010 herum kamen dann langsam die ganzen Streaming-Plattformen und dann ist das Ganze wie ein Kartenhaus zusammengefallen. Deshalb: Wenn ihr eure Lieblingsmusiker unterstützen wollt, dann kauft den Song auf iTunes! Das kostet nicht viel, aber bringt uns so viel weiter.

[31:35] Hast du das Gefühl, dass Social Media dich weiterbringt, zum Beispiel um die Hörerzahlen zu steigern? Wie viel Zeit investierst du dafür?
In letzter Zeit extrem viel und ich merke, dass es sehr wichtig ist. Man muss immer präsent sein, denn je mehr Zeit man mit der App verbringt, desto besser wird auch deine Reichweite.
[32:56] Jetzt erzähl mal: Wie funktioniert ein Videodreh?
Das ist immer mein Lieblingspart im Prozess. Meistens kommen die Ideen, wenn ich allein und fokussiert bin. Beim Joggen, beim Schwimmen…
Dann gehe ich ans Klavier, schreibe den Song und mache ihn im Tonstudio mit Produzenten. Dann ist der Song fertig und der letzte Schritt ist das Musikvideo. Das ist was richtig Cooles, weil man seine Ideen visualisiert und der Musik ein Gesicht gibt. Das neueste Video habe ich in Key West in Florida zu meiner Single “Real” gedreht. Es war eine fantastische Erfahrung. Es war toll, an einem so schönen Ort zu sein.
[34:23] Wie lange dauert denn ein Videodreh?
Wenn man alles zusammenzählt, haben wir insgesamt fünf Tage gedreht. Wir haben einen Teil in Key West gedreht und einen Teil in Miami.
[37:15] Was motiviert dich?

Ich glaube, das sind die großen Erfolge, die man hat. Vor allem die Vorfreude auf diese Erfolge, wie zum Beispiel mein Auftritt am Brandenburger Tor. Diese Vorfreude gibt einem extrem viel Kraft und dann sind da natürlich die Fans.

[38:54] Wie gehst du mit negativer Kritik um?

Ich muss sagen, es ist nicht so einfach. Noch vor fünf Jahren war das schwieriger für mich. Ich hatte auch mal eine Rezension bekommen, die nicht so gut war. Da habe ich geweint, weil mich das sehr persönlich getroffen hat. Inzwischen habe ich meinen Frieden damit geschlossen. Ich habe mir gesagt: Hey, ich bin kein Geldschein. Ich kann und muss nicht allen gefallen.

[40:55] Was sind deine Ziele nächstes Jahr?

Früher waren meine Ziele: Album, Album, Album. Heute durch das Streaming ist es viel effektiver, wenn man Singles veröffentlicht. 2020 würde ich gerne viele Kooperationen machen und auf Tour gehen.

[45:44] Gibt es ein Buch, ein Künstler oder Musik, die dich geprägt hat?
Ich habe als Teenager viele Biografien von bekannten Leuten gelesen, u.a. von Maria Callas. Sie war eine toughe Frau. Also generell Geschichten von tollen, starken Frauen, ob in der Kunst, in der Literatur oder in der Musik. Man kann so viel dadurch lernen, durch wie viele Hindernisse sie gegangen sind.
[47:27] Was trägst du immer bei dir und warum?

Eine Uhr habe ich immer dabei.

[48:03] Was ist finanzielle Freiheit für dich?

Keinen Plan B zu haben und nicht zu denken: Oh Gott, vielleicht muss ich als Künstlerin in fünf Jahren eine Musikschule eröffnen, damit ich überleben kann. Ich würde es so gerne so weit schaffen, dass ich absolut nur von meiner leben kann.

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