Investieren in der Krise 

Warum Finanzwissen gerade jetzt besonders wichtig ist.

Im Rahmen des comdirect Finanzblog Awards nehme ich an einer Blogparade teil. Thema: „Investieren in der Krise – Warum Finanzwissen gerade jetzt besonders wichtig ist.“ Ihr dürft natürlich gern für mich abstimmen. Zur Umfrage geht es hier.

Finanzkrisen habe ich nun schon zwei mitgemacht – 2008 und 2020 und in beiden hat mir mein Finanzwissen geholfen. Was genau meine Learnings waren und was mir geholfen hat, durch die Krise zu kommen, erfährst du in diesem Beitrag.

Ich investiere immer, doch in Krisenzeiten ist das nochmal etwas anderes: mehr Chancen, größere Risiken und vor allem mehr Gefühlsachterbahn! Die Erkenntnisse – unbezahlbar.

Meine erste Finanzkrise

2008, nach meiner Bankausbildung, kaufte ich mir eine Eigentumswohnung. Kurz zuvor gab es auf Tagesgeldkonten noch mehr als 4% Zinsen, doch profitiert habe ich davon nur wenig bei den geringen Rücklagen, die ich hatte. Es war aber genug Eigenkapital für eine Eigentumswohnung und weil ich bei einer Bank arbeitete, erhielt ich Sonderkonditionen auf meinen Kredit. Freiheit war mir schon damals wichtig, nur in einer anderen Ausprägung. Mietzahlungen schmerzten regelrecht. Beim Auszug gehört einem ja noch nicht einmal der Klingelknopf und als ich mir nach der Ausbildung hochrechnete, was ich in 10 Jahren an Miete zahlen würde, war mir schnell klar, dass ich kaufe anstatt zu mieten.

Kurz nachdem ich den Kreditvertrag für fast 5% Zinsen unterschrieben hatte, brach der Markt zusammen und die Zinsen fielen. Damals hatte ich mich echt geärgert, aber heute weiß ich, das bringt nichts. Niemand hat eine Glaskugel und kann dir die Zukunft vorhersagen. Ich wohnte über 5 Jahre in meiner Eigentumswohnung bevor ich nach Berlin zog und die Wohnung verkaufte. Durch die hohen Kreditzinsen musste ich der Bank eine recht hohe Vorfälligkeitsentschädigung zahlen, da ich vor dem Ende der 10-jährigen Zinsfestschreibung verkauft hatte.

Was mir zu Gute kam: Durch die nun niedrigen Zinsen am Markt, stiegen die Immobilienpreise extrem an und ich konnte die Wohnung zu einem 35% höheren Preis verkaufen, als ich sie erworben hatte. So war die Vorfälligkeitsentschädigung verschmerzbar.

Meine zweite Finanzkrise

Anfang 2019 hatte ja gerade erst gekündigt und mich Vollzeit selbstständig gemacht. Dafür brauchte ich Cash, denn meine Reserven wurden durch die Anfangsinvestitionen bzw. für die ersten Monate, in denen ich erstmal Kunden suchen musste und noch nichts verdiente, langsam aufgebraucht. In meinem Fokus stand also als Erstes die finanzielle Gesundheit meines Unternehmens. Bei mir kriegt jeder Euro einen Auftrag. Alles was ich verdiente und nicht zum Leben brauchte, lege ich zur Seite auf ein Tagesgeldkonto, meine Investitionen am Kapitalmarkt erhöhte ich nicht, meine Sparpläne liefen wie gewohnt weiter. Was wirklich gut lief, waren meine P2P-Kredite. Die spuckten brav täglich ihre Zinsen aus, die ich natürlich direkt und automatisiert wieder anlege.

Nicht so gut liefen meine Aktien. Die liefen so vor sich hin ohne nennenswerte Hochs oder Tiefs. Anfang 2019 hatte ich mit dem Schritt in die Selbstständigkeit auch meine Strategie geändert. Weg vom Setzen auf Kursgewinne, hin zu Werten, die Dividende zahlen. Ich verkaufte allerdings nichts. Meine Watchlist wurde nur angepasst und deutlich länger. Als ich wieder ausreichend Rücklage für Notgroschen und Steuern auf meinen Tagesgeldkonten angesammelt hatte und das Business regelmäßige stabile Einnahmen einbrachte, ging das Investieren wieder los. 2019 waren die Preise natürlich noch deutlich höher, so dass mich mein Depot zum Crash im Frühjahr 2020 teilweise mit – 40% begrüßte. Doch ich blieb überraschend entspannt.

So kommst du entspannt durch die Krise

Das rate ich auch jedem Investment-Einsteiger: Bilde dich weiter, doch fang auch an und mach einfach mal. Du solltest wissen, was du tust, doch du solltest dich auch selbst kennenlernen dabei. Ins Machen kommen ist der schwierigste Schritt. Gerade wir Frauen wollen auf Nummer sicher gehen und am liebsten vorher alles studiert haben, bevor wir eine Entscheidung treffen, aus Angst Geld zu verlieren. Doch wer nicht spielt, kann auch nicht gewinnen. Und Sicherheit ist nur eine Illusion. Das war eine meiner größten Erkenntnisse. Risiko kommt von Rendite und ist relativ. Was soll schon passieren? Du brauchst ja nicht gleich alles auf ein Pferd setzen! Risiko sollest du unterteilen in verschiedene Aspekte. Frag dich – wie viel Risiko kannst du tragen: finanziell und emotional?

Einem Millionär schmerzt es nicht 10.000 EUR auf dem Aktienmarkt zu verlieren und ich kann immer noch meine Miete bezahlen, auch wenn ich 100 EUR an der Börse verlieren würde. Ich investierte auch nur Geld, das ich „übrig“ hatte und achtete darauf meine Tagesgeldrücklage aufzufüllen. Ich konnte also das finanzielle Risiko tragen, auch wenn ich das natürlich nicht wollte.

Emotional war ich lange nicht bereit so viel Risiko zu tragen und brauchte 1-2 Jahre bis ich mich an den Nervenkitzel gewöhnt hatte. Die Angst trieb mich anfangs sehr, so dass ich schnell kaufte und verkaufte, um Verluste zu vermeiden oder zu begrenzen bzw. Gewinne zu sichern. Die vielen Transaktionskosten fraßen meine Gewinne auf und letztlich landete ich bei Plus-Minus-Null, doch um Millionen von Erfahrungen reicher.

Warum finanzielle Bildung so wichtig ist

In der Krise wurde mir noch einmal mehr bewusst, wie wichtig finanzielle Bildung und finanzielle Gesundheit für mich und mein Business sind. Vermeintlich sichere Jobs waren nicht mehr sicher und viele meiner Bekannten und Freunde, waren von Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit oder direkt im Business mit Umsatzeinbrüchen oder Zwangsschließungen betroffen. Leider waren damit teilweise unmittelbar finanzielle Probleme an der Tagesordnung, da die Kreditraten für Haus und Co. trotzdem bezahlt werden mussten und leider keine Rücklagen vorhanden waren.

Doch wirklich reden darüber, wollten nur wenige. In uns drin sind oftmals negative limitierende Geldglaubenssätze. Da nehme ich mich nicht aus. Auch ich kenne sie und lange Zeit haben auch sie mein Handeln bestimmt. „Geld ist schlecht.“ „Über Geld spricht man nicht.“ „Geld verdirbt den Charakter.“ „Geld macht nicht glücklich.“ „Geld stinkt.“ Ich könnte noch lange so fortfahren. Doch wenn wir nicht über Geld reden, wie wollen wir mehr darüber lernen? Warum sprechen wir nicht darüber? Wollen wir nicht angeben? Wollen wir keine Neider? Wollen wir nicht zugeben, dass wir weniger verdienen als andere? Wollen wir uns nicht bewusst machen, dass wir keine Rücklagen oder keine Ahnung haben? Warum ist das Thema Geld für uns so ein schwarzes Tuch?

Finanzen sind kein Hexenwerk. Für mich ist Geld nichts Schlechtes. Für mich bedeutet Geld Freiheit, das zu tun, was ich möchte. Ich mache mich unabhängig von Arbeitgebern und Chefs, unabhängig von Krediten und anderen Verpflichtungen. In meiner Community aus starken Frauen biete ich eine Plattform für einen geschützten Austausch über Geld und Business und bin froh, dass das Thema immer präsenter wird.

Ich rede gern über meine Finanzen und höre anderen gern dabei zu. Ich bin nicht neidisch oder fühle mich schlecht. Ganz im Gegenteil. Ich lerne immer etwas Neues und kriege dadurch Ideen für neue Investments. Durch meine Bankausbildung ist das für mich auch ein Stück Normalität. Mit meinen Kunden habe ich damals tagtäglich über Geld gesprochen. Im Privaten bin ich da oft auf taube Ohren gestoßen. Deshalb habe ich mich einem Netzwerk aus Finanzinteressierten angeschlossen und kann mittlerweile viele der deutschsprachigen Finanzblogger/innen zu meinem Bekanntenkreis zählen. Ich bin dankbar für die Digitalisierung. So können wir uns regelmäßig trotz der Distanz über Chats und Videocalls virtuell austauschen.

Geld ist Emotion pur

Geld ist ein super emotionales Thema, deshalb sind die Erfahrungen, die du damit machst, so wichtig. Je mehr Erfahrungen du machst, desto gelassener wirst du. Kein hektisches Traden, sondern überlegtes Investieren. Angst und Gier sind deine größten Feinde beim Investieren. Lerne sie kennen, indem du in kleinen Tranchen investierst, solltest du noch keine ausreichenden Erfahrungen haben. Beobachte dein Depot und wie es dir mit veränderten Kursen geht. Irgendwann gewöhnst du dich an das Auf und Ab und brauchst auch die tägliche Depotkontrolle nicht mehr.

Lass dich nicht von Nachrichten verunsichern, sondern halte an deinen Investmentprinzipien fest. Und da gibt es kein Richtig und kein Falsch. Es kommt ganz auf deine persönliche Situation an – wie viel Risiko kannst du und musst du vielleicht tragen, um an dein Ziel zu kommen. Verschwende nicht zu viel Zeit auf die Analyse, letztlich können wir alle nicht die Zukunft voraussagen und auch wenn die Kennzahlen und Prognosen für ein Unternehmen sprechen, können unvorhergesehen Umstände wie eine Pandemie, Betrugsfälle, Politik uvm. das Ergebnis beeinflussen, ohne dass du etwas dagegen machen kannst.

Und ärgere dich auch nicht über Verluste. Kalkuliere sie mit ein und schütze dich durch Diversifikation vor größeren Katastrophen. Überlege dir, welche Cashquote für dich ausreichend ist und welche Ausgaben du brauchst. Mach dich unabhängig von Dritten und verzichte auf Konsumkredite. Bilde dich weiter, verstehe was du machst und vernetze dich. Tausch dich aus und bleib dran. Hab Spaß bei deiner Geldanlage und sieh es nicht zu verbissen. Das kann dich nur in klaren Entscheidungen blockieren. Hab Spaß und mach einfach. Wie ich – Annie und die starken Frauen.

2 Kommentare
  1. Sehr viele wahre Worte! Jeder der nicht investiert sollte darauf hingewiesen, was er verpasst. Zu seinem Glück zwingen kann man aber niemanden. Zudem ist schön beschrieben worden, welche Fehler Anfänger oft machen: Geld investieren, auf das nicht im schlimmsten Fall verzichtet werden kann oder sich über kleine Verluste schwarzärgern, obwohl der wöchentliche Shoppingausflug viel schwerer ins Gewicht fällt.

    Antworten
    • Danke Joel, das freut mich. Wir reden oft viel zu wenig über Investmentmöglichkeiten. Doch nur wenn wir uns austauschen und auch über Fehler sprechen, können wir lernen und besser werden. 🙂

      Antworten

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