Interview: Nina Samoil 

Handwerks-Zeit  

Nina kenne ich durch meine Freundin Lima Andersen – The Brilliant Mom. Nina ist 36 Jahre alt, Mutter einer 3-jährigen Tochter, ein kreativer Kopf, Partnerin eines wunderbaren Mannes, eine Gärtnerin auf einem 10.000 m² Grundstück inkl. Weide, Besitzerin von zwei Pferden, einem Hund und einem Haus.

Nina ist gelernte Veranstaltungskauffrau und arbeitet als Assistentin der Niederlassungsleitung eines Automobilzulieferers in Teilzeit 30h/Woche. Nina ist sehr extrovertiert, geht gern auf Menschen zu und findet ihre Entspannung im Doing. „Es fällt mir schwer meine Seele baumeln zu lassen. Ich muss immer etwas machen“ erzählt sie. Das war schon immer so und auch ein Grund, warum der „normale“ Job nicht reicht. Nina möchte kreativ sein und das kann sie im Job nur bedingt, beispielsweise wenn sie Veranstaltungen organisiert. Früher hatte sich das kreative Arbeiten auf Malen mit ganz unterschiedlichen Farben beschränkt und auf alles, was sie sonst noch so im Haus machen konnte. Heute hat sie die Möglichkeit mit einer eigenen kleinen Werkstatt auch Holz, Beton und Metall zu verarbeiten. Mit Bohrern und allerhand anderen Werkzeugen geht Nina dort ans Werk.

„Wir haben im Jahr 2015 einen alten Bahnhof gekauft. Seitdem hämmern, streichen, buddeln, stampfen, malern und schaufeln wir fast täglich, um unseren wahr gewordenen Traum traumhaft zu gestalten. Auf der Suche nach meiner kreativen Selbstverwirklichung und als Ausgleich zum Arbeitsalltag und den regelmäßig anstehenden Baumaßnahmen entstand die Idee der Dekorations-Vermietung“ berichtet Nina stolz. Nina ist die Gründerin von Handwerks-Zeit. Sie bastelt Dekorationsartikel für Veranstaltungen und vermietet diese für Hochzeiten, Geburtstagsfeiern oder Taufen. „Mit Handwerkszeug, Liebe zum Detail und der notwendigen Zeit erstelle ich außergewöhnliche Dekorationsartikel, die hauptsächlich aus Naturmaterialien, Dachbodenfunden und antiken Schätzen bestehen“ fährt Nina fort.

Nina und ihr Mann hatten schon lang überlegt sich ein zweites Standbein aufzubauen, gerade als es in der Automobilindustrie anfing zu kriseln, denn beide arbeiten in dieser Branche. Doch so viele Ideen sie auch hatten und kurz verfolgten, schnell wurde klar, dass sich das finanziell nicht rechnen würde. Ihr Mann ist Karosserie-Baumeister und hatte beispielsweise vor sich mit der Restauration von Oldtimern zu versuchen. Doch die notwendige Detailverliebtheit und der Perfektionismus führen dazu, dass so ein Projekt schon mal 1-2 Jahre dauert, ohne dass man etwas verdient. Also verwarfen die beiden diese Idee. Das Grundstück der beiden ist riesig und sie überlegten, etwas anzubauen und zu verkaufen, Kräuter oder Futter für Pferde beispielsweise, doch auch die Idee erwies sich beim Erstellen des Businessplans nicht als rentabel. Doch der Wunsch nach Selbstverwirklichung blieb.

Nina stellte sich die Frage, welche Ressourcen sie überhaupt hatte. „Wir haben Platz, keine Zeit, Werkzeug, technisches Verständnis und Know How. Und dann ist Handwerks-Zeit entstanden, mit dem Wunsch, Dinge zu erstellen, die 4, 5, 6 Mal vermietet werden können“ erzählt Nina. „Mein größter Erfolg ist das Lächeln meiner Kunden und tatsächlich passiert das schon oft beim Vorgespräch. Ich frage zu Beginn welche Einladungen sie haben, welche Farbe sie nutzen usw. und dann erstelle ich schon einen Beispiel-Tisch. Meistens trifft dieser dann schon die Vorstellungen meiner Kunden. Das ist toll“ schwärmt sie.

Was Nina besonders an Handwerks-Zeit begeistert, ist die Tatsache, dass sie in ihrer Kreativität absolut frei ist. Wenn sie etwas nicht kann, hilft schon mal ihr Freund und wenn der es auch nicht kann, dann lernen es die beiden gemeinsam. In Punkto Geld verhandelt Nina nicht. Sie hält an ihren Preisen für die Deko fest ohne zu übertreiben. Sie möchte sich wohl dabei fühlen und kalkuliert so, dass sie den Materialwert veranschlagt und ihre Arbeitszeit außenvorlässt. Bei Mehrfachvermietung rentiert es sich dann. Nina lebt viel von Empfehlungen und macht Deko auf Zuruf, d. h. sie designt Prototypen und erst wenn die Braut zufrieden ist und bucht, dann bastelt Nina den Rest.

Ninas Rat an Gründerinnen: „Macht euch wirklich Gedanken darüber, wieviel Zeit ihr habt! Ich mache das alles auf Sparflamme. Eigentlich müsste sie 5 Mal so viel Zeit investieren und dann würde es sicher super gut laufen, davon bin ich überzeugt. Ich müsste Marketingaktionen machen, mehr auf Messen sein, präsenter in Medien – das schaffe ich gerade einfach nicht, denn die anderen Dinge in meinem Leben sind präsent und wichtig für mich. Das ist nicht zu unterschätzen.“ Nina schafft sich dennoch Zeit für ihre ganz persönliche Handwerks-Zeit mit klaren Strukturen wie z.B. Wochenplänen. Das ist gar nicht so einfach, auf Knopfdruck kreativ zu sein. Das Ganze dann auch noch mit Job und Familie zu vereinbaren ist schwer.

„Mein Freund hat auch zu tun. Er restauriert einen alten Trabbi und sieht Handwerks-Zeit gerade auch eher als Hobby und noch nicht als zweites Standbein oder Einnahmequelle an. Das findet ich schade, obwohl ich damit schon Geld verdiene“ sagt Nina und fährt fort: „Meine größte Herausforderung dabei ist die Tatsache, dass wir Frauen so unfassbar viele Rollen im Leben gleichzeitig spielen: die sexy Hausfrau, liebevolle Mutter, die Aufgeweckte/Kreative. Wir kümmern uns um die Tiere usw. Das ist manchmal unfassbar anstrengend.“

Ninas Leidenschaft für Handwerks-Zeit ist deutlich zu spüren, trotzdem macht sie das Projekt nebenberuflich. Ich habe gefragt warum. Es wäre ihr schlichtweg zu unsicher völlig auf das feste Gehalt zu verzichten und allein von der Selbstständigkeit zu leben. Schon beim Hauskauf blieb Nina konservativ und entschied sich mit ihrem Freund für ein ganz einfaches Darlehen mit gleichbleibenden Raten, einer hohen Tilgung und einer Laufzeit von 20 Jahren. Dann ist das Haus abbezahlt und alles ist gut. Mit Finanzen beschäftigt sich Nina wenig: „Geld und ich werden wohl nie Freunde“ lacht sie. „Ich hatte meine Finanzen erst im Blick, als ich die letzte Steuererklärung gemacht habe und Handwerks-Zeit mit angeben musste.“

Private Finanzen behält sie im Blick, in dem sie ihr Geld auf viele Töpfe verteilt: „Was am Monatsanfang weg ist, kann auch später nicht mehr ausgegeben werden“ ist Ninas Motto. So werden als Erstes im Monat die Sparbeiträge für Urlaub und größere Anschaffungen wie ein neues Kinderbett zur Seite gelegt. Dazu kommen die Versicherungsbeiträge für die Altersvorsorge mit Riester oder für Zahnzusatzversicherung und Co. Ninas Erkenntnis: „Völlig egal, ob ich 1.000 EUR oder 3.000 EUR zur Verfügung habe, am Monatsende bleibt das Gleiche übrig. (lacht) Ich kann ohne meine Töpfe nicht leben.“ Ihre Girokonten hat Nina, wie ich, auch bei der DKB*. Damit und mit dem Online-Banking ist sie sehr zufrieden. Der persönliche Kontakt zur Bank ist Nina nicht so wichtig, Hauptsache die Konditionen sind günstig und der Service stimmt.

„Mein letztes großes Ziel war eine Hochzeitsmesse Ende Oktober“ träumt Nina. „Dafür habe ich extra mein Ausstellungskonzept etwas geändert. Ich möchte Bräute und ihre Männer dazu einladen, die Tische selbst zu dekorieren und kreativ zu werden. Das ist das einzig wirklich Zeitintensive und Teure an meiner Handwerks-Zeit. Würden die Paare ihre Deko abholen und selbst nutzen, wäre es ein Gewinn für beide – die Paare sparen Geld und ich habe mehr Zeit, um neue Deko zu basteln. Aktuell buchen viele Hochzeiten meinen Auf- und Abbau dazu. Das ist super zeitaufwendig: freitags hin, 4-5h aufbauen, sonntags wieder abbauen; und das mit Mann und Kind.“ Ninas langfristiges Ziel sind 10-20 Hochzeiten pro Jahr auszustatten. Mittlerweile denkt sie aber auch immer öfter drüber nach, ihre Dekoration zu verkaufen und nicht nur zu vermieten.

Die Nachfrage ist da, die „Serienproduktion“ ist einfach für Nina umzusetzen und macht vor allem Spaß! Zu Hause stapeln sich die Dekoartikel und Nina hat noch so viele Ideen, die es umzusetzen gilt. Vielleicht kannst du Nina demnächst mal auf einem Handwerkermarkt treffen und eines ihrer Kunststücke erwerben.

    3 Fragen – 3 Antworten

    1. Was heißt Glück für dich? – „Glück gibt es in unterschiedlichen Blickwinkeln. Vergrößere ich die Perspektive, dann merke ich, dass Gesundheit das Wichtigste ist. Danach kommen sofort die Menschen, in meinem Leben, mit denen ich irrsinnig gern zusammen bin. Glücklich bin ich beispielsweise, wenn ich ausreite und über das Feld galoppiere, oder meine kleine Tochter in den Arm nehme und kuschele, wenn ich gemeinsam mit meinem Freund etwas am Haus schaffe, oder wenn ich einfach nur mit ihm Pizza esse und über Gott und die Welt spreche. Glück sind ganz viele kleine Dinge im Leben, die Basis dabei bilden für mich Gesundheit, Familie und Freunde.

    2. Was ist dein aktuelles Lieblingsbuch? – Nina liest aktuell keine Bücher. Die Zeit investiert sie anderweitig. Das letzte Buch, was Nina geschenkt bekommen hatte, war ein Kreativbuch von ihrem Freund, wie man mit Naturprodukten kreativ sein kann. Als ich das gesucht habe, habe ich bei Amazon* unzählige Beispiele gefunden. Schaut selbst mal rein, spannend, was es da alles gibt. Das Schlimmste für Nina überhaupt wäre Businesslektüre. Da musste ich schmunzeln, als sie das gesagt hat. Ja, so denken viele. Ich auch. Es gibt leider nur wenige spannende Bücher zu Geldanlagethemen, die einen oft erst packen, wenn man im Thema steckt. Ich ermutige dennoch, probiert es aus! Nina interessiert sich eher für Lektüre zur Kinder- oder Pferdeerziehung. Sie hätte schon Lust, mal wieder in eine Welt einzutauchen mit einem Buch. Ihr Leben ist allerdings selbst gerade so spannend, dass sie das aktuell nicht brauch.

    3. Welchen Gegenstand trägst du immer bei dir? – „Ich trage keinen Gegenstand regelmäßig bei mir. Den würde ich nur verlieren“ lacht sie. Sie hatte es schon unzählige Mal mit Ringen probiert, lässt sie aber irgendwo liegen und dann sind sie weg. Was meist an ihrem Handgelenk ist, ist eine Uhr. Dafür gibt es allerdings rein praktische Gründe. „Mein Freund hat allerdings einen Gegenstand bei sich, den er jeden Tag in jeder Hose mich sich trägt, die er anhat. Und zwar ist das ein Stein, den er von unserer Tochter bekommen hat. Das finde ich sehr süß, dass er sie so mit diesem Stein immer bei sich trägt.“

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