Gastartikel

Geldfrau – Wie viel bist du wert?

Veränderungen beginnen im Kopf. Das wusste Karola. Und sie wollte alles richtig machen bei ihrer Unternehmensgründung. Also beschäftigte sich die 31-jährige zuerst mit ihrer persönlichen Motivation, warum sie überhaupt gründen wollte. Schnell folgten Businessplan mit Marktanalyse, Zielgruppendefinition, Markenkern.

Und dann kam das Geld. Der Finanzplan mit Budgets und Soll-Vorgaben. Karola spürte erstmals Angst in sich hochsteigen; eine innere Mahnerin meldete sich zu Wort: Du brauchst mindestens xx-Tausend Euro, damit das sicher klappt. Was, wenn es schiefgeht? Wofür zahlen die Kunden eigentlich? Werden sie zahlen? Und wieviel ist meine Leistung wert – bin ich wert? Karolas Gedanken drehten sich im Kreis, ohne Antworten zu finden.

Wenn Du ein Unternehmen gründen und erfolgreich führen willst, brauchst du nicht nur ein starkes „Warum“ und einen klaren Businessplan. Du brauchst auch eine klare Haltung zum Geld. Ohne die bleibst Du bei strategischen Entscheidungen über Preishöhen, Budgets, Honoraren und Löhnen stecken. Und ohne Geld kein Business.

Kennst Du – als Frau und Unternehmerin – Deine Haltung zum Geld?

Die, das will ich Dir hier schon verraten, weit mehr ist als das? Darf ich mutmaßen? Sehr wahrscheinlich kennst Du Deine Haltung nicht. Denn Geld ist immer noch ein großes Tabuthema in unserer Gesellschaft. Eher reden wir ausdauernd über Wetter, neue Netflix-Serien, Celebrities und Sex als über Geld, welche Gedanken und Gefühle uns dabei bewegen, wie ein souveräner Umgang mit Geld aussieht und wie Geld auf uns und die Gesellschaft wirkt. Uns Frauen benachteiligt dieses Tabu doppelt: Es wird uns wenig Finanzkompetenz zugetraut und damit wenig unternehmerisches Geschick und Risikofreude – von Ausnahmen einmal abgesehen. Das wiederum lässt uns Frauen eher denken, wir hätten keine Ahnung von Mathe, Finanzen, Vermögen.

Das hat historische Gründe, keine biologischen. Es ist wichtig, dass Du diese Zusammenhänge kennst.

Frauen sind seit Jahrhunderten finanziell entmündigt. In der BRD endete diese Entmündigung erst kürzlich, erst Ende der 1970er Jahre. Bis dahin mussten Ehefrauen ihre Männer fragen, ob sie erwerbstätig und ein Konto haben durften. Und ein eigenes Vermögen durften sie auch nicht selbst verwalten, das oblag dem Göttergatten.

Das heißt: Es ist uns Frauen in der Bundesrepublik erst seit etwas mehr als 40 Jahren (!) erlaubt, selbst über unsere Finanzen zu bestimmen. Das Erbe dieses jahrhundertelangen Kleinhaltens spüren wir bis heute: Lohn- und Berufsdiskriminierung qua Geschlecht, Ehegattensplitting, Teilzeitfalle, geringes Selbstvertrauen bei Frauen in Finanzdingen, niedrige Kredite für Unternehmensgründungen von Frauen und vieles mehr.

Diese monetäre Sozialisation wirkt seit Kindheitstagen auch auf Dich, über Generationen hinweg, auf Deine Eltern, die dich großgezogen haben, Dein Umfeld, in Politik, Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft. Sie hat Glaubenssätze über Geld in Dir geformt, eine Haltung. Zum Geld. Und – und das ist überraschend – auch eine Haltung zu Dir. Und damit zu Verhalten.

Wir projizieren Gedanken, Wünsche, Verletzungen, Bedürfnisse und Ängste auf die Sache „Geld“ – einige sogar ihren Selbstwert. Weil wir Menschen emotionale Wesen sind. Wie ist das bei Dir?

E
Welche Phrasen und Sätze verwendest Du,

Deine Familie, Freunde in Bezug auf Geld immer wieder?

E
Blockieren Dich diese Gedanken?

Fühlen sie sich negativ oder positiv an?

E
Was denkst Du über Geld, ganz ehrlich?

Was bedeutet Dir Geld?

E
Was würdest Du gern über Geld denken?

Wärest Du gern reich – und was bedeutet reich sein für Dich?

Werde Dir darüber klar.

Lerne Deine Geld-Projektionen kennen und brich Deine monetäre Sozialisation auf. Nur Du kannst das. Und nur so kannst Du das verändern, was Dich blockiert, klein hält oder lähmt.

Wie Karola. Durch die Beschäftigung mit ihren Gefühlen und ihrer Haltung zum Geld erkannte sie, dass der Geiz ihres Vaters ihren Selbstwert beschädigt hatte. Der Vater hatte ihre guten, schulischen Noten mit kleinem Geld belohnt und dabei auch noch lamentiert, die Tochter koste ihn immer soviel Geld! Bei Karola brannte sich ein: Sie war es nicht wert – trotz guter Leistung das Geld ihres Vaters (und damit seiner Liebe?). Als sie diesen Zusammenhang sah, konnte sie bewusst die Kontrolle über ihr Gefühl übernehmen und rational eine neue Haltung einnehmen – einen neuen Glaubenssatz: Ich bin es wert!

Wenn wir über Geld sprechen, ob im privaten oder beruflichen Kontext, sprechen wir immer auch über uns. Hole Dir diese Erkenntnis ins Bewusstsein. Du kannst Deine Haltung zum Geld selbst formen, zum Leben, zu Dir. Suche Dir Geld-Glaubenssätze, die Dich als Unternehmerin stützen, mit denen Du alte, blockierende Projektionen auflöst. Wie:

„Ich bin es wert.“ „Ich verdiene es.“ „Geld steht mir.“ „Ich kann das.“

Also: Mach Deinen Business-Plan klar, und Deinen Kopf! Deine Gedanken. Deine Haltung zu Geld und Projektionen auf Geld. Und damit zu Deinem Ich. Dann wirst Du die Honorare und Preise erhalten, die Dir guttun und Dein Unternehmen wachsen lassen. Du wirst ein gutes Verhältnis zu Kunden*’innen aufbauen und mit Mitarbeiter*innen leistungsgerechte Löhne verhandeln können.

Das, was wir denken und fühlen, macht uns aus. Es leitet unser Handeln.

Dani Parthum, Die Geldfrau

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