Frauenpower trifft Pferdestärke – Gina Bresch

Nur 14,6 % der deutschen Startups werden von Frauen gegründet. Gina Bresch und Linda Kicherer, die beiden Gründerinnen von Allerley Pferdefutter, sind zwei davon. Gina und ich haben beide an der Business School Magdeburg studiert und unsere gemeinsame Dozentin Franziska Rumpel, eine Powerfrau, die ich erst kürzlich interviewt habe, hat uns beide zusammengebracht.

Gina ist mit Pferden aufgewachsen. Doch ein Pferd ist teuer und so suchte sie während ihrer Studienzeit nach einer Reitbeteiligung und wurde fündig: Lady, das Pferd einer Tierheilpraktikerin, kam da wie gerufen. Gesundheitliche Probleme der Stute und der Austausch mit der Besitzerin brachten Gina dazu, sich mehr mit der Gesundheit von Pferden und insbesondere auch mit Pferdefutter zu beschäftigen. Viele der Krankheiten von Freizeitpferden werden beispielweise durch gestörten Stoffwechsel, Stärke- und Eiweißüberschuss begünstigt oder sogar ausgelöst. Über Ladys Besitzerin lernte Gina auch Linda kennen, die ähnliche Erfahrungen mit ihren Pferden gemacht hatte. Beide wissen, was in der Haltung und Fütterung alles schiefgehen kann. Auf der gemeinsamen Suche nach richtig gutem Futter, kam ihnen dann die Idee für Allerley. „Das Futter, das wir für unsere Pferde kaufen wollten, gab es nur auf Paletten mit 500 kg und aufwärts. Aus einer (Sekt-)Laune heraus, haben wir gesagt: Komm, wir bestellen das einfach und verkaufen den Rest. Es kann doch nicht sein, dass es das nicht gibt. So muss es doch auch anderen Pferdeleuten gehen!“

Das nenn ich mal Frauenpower! Die beiden haben über ein Jahr recherchiert, bevor es dann richtig losging. „Linda hat sich dahintergeklemmt Veterinärlektüre zu studieren, Futtermittelqualitäten zu überprüfen und in Foren und Fachzeitschriften, so viel Wissen wie nur möglich zu erlangen.“ Gina hat alles Organisatorische und Betriebswirtschaftliche für die Selbstständigkeit in die Wege geleitet, wie man das so macht, wenn man an einer Business School studiert. Nach der Gewerbeanmeldung wurde dann der Laden ins Leben gerufen, der gesundes und natürliches Futter für Pferdebesitzer bietet, die auch nach einer Alternative zu Müsli und Fertigfutter mit vielen Zusatzstoffen suchen. Allerley ist aber so viel mehr als nur ein Laden für Pferdefutter. „Wir lieben unsere Ponys und sie sollen uns noch lange und vor allem gesund begleiten. Mit Allerley wollen wir anderen Besitzern ermöglichen ohne jahrelange Recherche das beste Futter für ihre Pferde zu finden. Und noch mehr: Wir wollen eine Anlaufstelle für Pferdefreunde sein und mit Rat und Tat zur Seite stehen.“ schreiben Gina und Linda auf ihrer Webseite.

Was dort nicht steht und mit Pferdefutter per se erst einmal nichts zu tun hat: Gina ist BWLerin und Herzblut-Unternehmerin. Neben der Idee und dem Wunsch nach hochwertigem, gesundem Pferdefutter hat sie auch der Gedanke an ein eigenes Unternehmen gereizt. „Ich durfte bei meiner Mutter die Höhen und Tiefen der Selbstständigkeit live miterleben und habe den Unternehmergeist wohl schon in die Wiege gelegt bekommen.“ Sie berichtet: „Nachdem ich dual studiert und dann den Master berufsbegleitend drangehangen habe, war mir ziemlich klar, dass ich mein gesammeltes Wissen in die Tat umsetzen und weiter dazulernen möchte.“

Gina und Linda haben sich nebenberuflich selbstständig gemacht. Solche Nebenerwerbsgründungen kommen häufiger vor als  Vollerwerbsgründungen. Doch nur 8% aller Start-Up-Gründungen in Deutschland bestehen aus weiblichen Teams, so wie bei den beiden. „Wir haben Allerley nebenberuflich gegründet und nur unsere eigenen Ersparnisse zum Aufbau des Ladens benutzt. Ohne Kreditgeber oder externe Sponsoren (und dazu zähle ich auch Familie usw.) sind wir flexibler in unseren Umsatz- und Gewinnzielen und können auch mal einen Monat oder zwei das Geschäft zurückfahren. Das haben wir z.B. zur Geburt meiner kleinen Tochter so gemacht oder auch, wenn Linda gerade Prüfungen in ihrem Landwirtschaftsstudium hat. Auf der anderen Seite muss man sich dann natürlich bewusst machen, dass das Wachstum etwas zäher von statten geht, wenn man noch einen Hauptjob und begrenzte Ersparnisse hat. Das nehmen wir aber gern in Kauf, dafür, dass wir niemandem Rechenschaft schuldig sind – sowohl finanziell als auch strategisch. So halten wir auch an unserem Grundsatz fest „Dein Pferd bekommt nur, was es wirklich braucht.“ Das ist zwar nicht immer wirtschaftlich für den Laden, aber die Gesundheit der Kundenpferde hat weiterhin oberste Priorität. Außerdem müssen wir nicht an der Qualität der Futtermittel sparen, sondern verzichten lieber auf ein paar mehr Cent Marge zugunsten der besten Futterqualität“ berichtet Gina.

„Ich arbeite dabei noch immer bei meinem Arbeitgeber, bei dem ich meinen dualen Bachelor und auch berufsbegleitend den MBA gemacht habe. Daher habe ich auch noch den Einblick in die Abläufe in einem großen Unternehmen. Trotzdem fehlte noch etwas – wahrscheinlich ein wenig Nervenkitzel. Denn selbst mit einem Master in BWL hat man de facto keine Ahnung, wie eine Existenzgründung funktioniert und wie viele tausend Sachen man wissen muss oder eben auch nicht wissen kann.“ Erst der Sprung ins kalte Wasser hat Gina gelehrt, was wichtig ist. Drei Dinge möchte sie dir deshalb mit auf den Weg geben, wenn du auch deinen Traum in die Realität umsetzen möchtest:

  1. Nebenberuflich Gründen: Selbst, wenn du noch so sehr für deine Idee brennst und am liebsten gleich zu 100% in dein Business starten willst – ich würde immer dazu raten nebenberuflich zu gründen. Das hat den offensichtlichen Grund, dass du so weiterhin ein stetiges Einkommen hast und auch mal eine Flaute im eigenen Geschäft ausgleichen kannst. Viel wichtiger finde ich aber folgenden Aspekt: solange du von deinem neuen Unternehmen nicht leben musst, hast du die luxuriöse Situation, dass du dich unternehmerisch ausprobieren kannst. Ich denke, dass dadurch ein anderes Entscheiden möglich ist und man auch fester zu den eigenen Grundsätzen stehen kann, als wenn man Angst hat am Ende des Monats komplett pleite zu gehen.
  2. Halte an deinen Grundsätzen fest, solange du glaubst, dass sie die richtigen sind. Soll heißen: klar, kannst und sollst du dich weiterentwickeln, neue Ideen einbeziehen und schauen, wo der Weg hingeht. Aber gleichzeitig ist es meiner Meinung nach wichtig, sich ein dickes Fell wachsen zu lassen, um die (nicht immer konstruktive!) Kritik der Leute, die es immer besser wissen, abperlen zu lassen. Ich habe irgendwo mal gelesen „Ratschläge sind auch Schläge.“ Darüber muss ich immer noch schmunzeln. Die Kunst besteht darin, sich nicht persönlich angegriffen zu fühlen und gleich alles existenziell zu hinterfragen, aber trotzdem Anregungen und Hinweise mit in die Denkprozesse einzubeziehen. Wenn man das schafft (und das tue ich auch bei weitem nicht immer), hat man wertvollen Input ohne sich selbst zu verlieren.
  3. Wenn du nicht mehr kannst, mach weiter. Das klingt zwar wie das Patentrezept fürs Burnout (hah – nicht lustig), aber hilft ungemein. Die harte Realität ist nun einmal, dass der Großteil der Gründungen in Deutschland nach kurzer Zeit scheitern. Wenn du also erfolgreich werden willst, solltest du dir bewusst machen, dass das dauern wird. Nachhaltiger, echter Erfolg kommt nicht von allein und erst recht nicht über Nacht. Harte Arbeit, lange Durststrecken, Fehlentscheidungen, an die eigenen Grenzen gehen, Zweifel, Tränen, … das alles gehört zur Selbstständigkeit dazu. AAAber! Es trägt zum persönlichen Wachstum bei und jeder kleine Erfolg ist 10x so viel wert. Disziplin, Produktivität und das Ganze konstant über einen langen Zeitraum – willkommen im Unternehmertum. Ich liebe es.

Und ich liebe, mit wie viel Herzblut Gina spricht und wie sie ihr (Finanz-)Leben in die Hand nimmt. Sei auch du mutig und gründe neben dem Beruf. Wie du gelesen hast, haben Gina und Linda sich rein aus ihren Ersparnissen finanziert. Dafür brauchst du allerdings erstmal welche. Die Finanzen sind das A und O, um deine Träume zu verwirklichen. Ich persönlich investiere u.a. in Aktien an der Börse. Deine Investition und dein Weg zum Ziel kann ein anderer sein. Pferdehaltung und Reiten sind ein sehr teures Hobby. Gina und ich werden also gemeinsam einen Folgebeitrag über finanzielle Selbstorganisation für dich erarbeiten und das ist nicht nur wichtig für Pferdehalterinnen. Du darfst gespannt sein.

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  1. Pingback: Nebenberuflich selbstständig: Interview mit Gina Bresch von Allerley Pferdefutter - Annie Schnabelkraut

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