Gastartikel Finanzrocker

Finanzielle Unabhängigkeit für meinen Plan A

„Heute habe ich einen interessanten und persönlichen Gastartikel von Anne für dich. Dieser unterscheidet sich komplett von meinen persönlichen Ansichten und gibt einen Einblick in eine andere Lebensplanung und die Erfüllung von Träumen. Inwiefern sich jede/r damit persönlich identifizieren kann, ist für mich eine spannende Frage. Ich bewundere den Mut, den Anne mit ihren 33 Jahren an den Tag legt , würde die Entscheidung aber nie in der Form treffen. Vielleicht genau aus der  von ihr geschilderten Verunsicherung. Jetzt aber erstmal viel Spaß mit dem Gastartikel.“

Daniel Korth, Finanzrocker

 

Überblick Finanzielle Unabhängigkeit für meinen Plan A

Mein Name ist Anne. Ich bin 33 Jahre alt und wohne mit meinem Mann und seinen zwei Kindern in Ingolstadt. Seit fast einem Jahr betreibe ich den Finanzblog Frau Schnabelkraut. Ich habe schon früh angefangen, mich mit Geld zu beschäftigen, eher aus Zufall allerdings. So richtig hatte mir die Studienberatung nichts aufzeigen können, was mich sonderlich interessiert hätte und da schrieb ich aus blauem Dunst ziellos Bewerbungen.

Die Sparkasse in Magdeburg antwortet als Erstes und schon fing ich nach dem Abitur meine Ausbildung zur Bankkauffrau an. Das waren unheimlich wertvolle Jahre, in denen ich eine Menge Wissen ansammelte, was ich später immer wieder anwenden konnte: Was ist bei Verträgen zu beachten? Wie läuft das mit Krediten? Welche Versicherungen sind wichtig und warum? Für mich war das Reden über Geld mit meinen Kunden und Kollegen eine Selbstverständlichkeit – auch wenn ich damals noch nicht wirklich meine eigenen Finanzen aktiv steuerte. Zu sehr war ich damals auf Konsum konzentriert und freute mich über jede neue Anschaffung als Belohnung für meine harte Arbeit. Je mehr ich verdiente, je mehr Geld gab ich aus und am Ende war immer das Gleiche übrig: nichts. Ich war gefangen im eigenen Luxus und wollte nicht verzichten.

Über Geld spricht man bekanntlich nicht

Schnell merkte ich, dass das Thema Geld im Freundes- und Bekanntenkreis überhaupt nicht so selbstverständlich war. Geld ist auch heute noch eher ein Tabu-Thema, aber warum ist das so? Anfangs dachte ich, dass es vielen Leuten einfach zu privat sei. Doch je mehr ich nachfragte, desto mehr stellte ich fest, dass einfach niemand wirklich Ahnung davon hatte. In der Schule kriegt man die finanziellen Grundlagen nicht erklärt. Das, was wirklich wichtig für das Leben nach der Schule ist, wurde mir nicht beigebracht, auch nicht von meiner Familie. Wie auch? Die haben ihre finanzielle Bildung vom Versicherungs- und Bankberater um die Ecke und oftmals ist man einfach glücklich, wenn sich jemand anderes um unbequeme Themen kümmert. Das klingt sowieso alles zu kompliziert: Aktiendepot, Rentenversicherung, Annuitätendarlehen. Doch die Augen verschließen und fremden Personen blind vertrauen, die damit ihr Geld verdienen, wollte ich einfach nicht.

Je mehr ich mich auf eigene Faust mit dem Thema Finanzen beschäftigte und je mehr ich darüber lernte, desto mehr erkannte ich, dass das alles kein Hexenwerk ist. Klar, das Grundverständnis hatte ich damals bei meiner Bankausbildung gelernt, doch erst als ich selbst die einzelnen Anlageformen ausprobierte, kamen die Aha-Momente. Damit stieß ich im Familienkreis zu Beginn nicht unbedingt auf Verständnis.

Ich weiß noch, also ich mit Anfang zwanzig direkt nach der Ausbildung eine Eigentumswohnung zur Selbstnutzung kaufte. Meine Oma hatte furchtbar Angst um mich und sorgte sich, dass ich mich hoch verschulde und da nie wieder rauskomme. Ich schätze meine Oma sehr und bin ihr dankbar für ihre Hilfe in den letzten Jahren, auch finanziell. Sie hatte beispielsweise meinen Führerschein bezahlt und mir mein erstes Auto gekauft, doch in Sachen Geld hatte ich meinen eigenen Kopf. Für mich waren das nur Zahlen und Verträge. Ich kannte meine Einnahmen und Ausgaben genau und wollte keine Miete mehr zahlen, wenn mir nach Jahren und Jahrzehnten dann noch nicht einmal der Klingelknopf gehörte.

Durch die Familie hatte ich gelernt, immer brav meinen Zahlungsverpflichtungen nachkommen zu müssen. Das ist auch gut so. Noch heute achte ich genau darauf, was ich mir leiste und gebe ganz bewusst Geld aus. Doch bei den Themen Geldanlage oder auch Karriere musste meine Familie von mir lernen.

Ich erinnere mich noch gut an den Moment, als ich meiner Familie erzählte, dass ich meinen sicheren Job im öffentlichen Dienst kündige und nach Berlin ziehe, um dort einem zunächst befristeten Arbeitsverhältnis nachzugehen; oder als ich nach Bayern ging, um bei Amazon anzufangen. „Amazon? So eine Webseite kann dir auch ganz sicher jeden Monat pünktlich Gehalt überweisen?“ hatte meine Oma damals gefragt. In ihrer Welt konnte man nur Werte schaffen mit Dingen, die man anfassen und sehen kann. Auch gehörte es zum guten Ton, möglichst lange bei einem Arbeitgeber angestellt zu sein und ich könne doch froh sein, als Frau so viel Geld zu verdienen. Warum sollte ich das aufgeben für Ungewissheit und Risiko?

Risiko, das ist genau so ein Mythos! Risiko ist es für mich nur dann, wenn ich nichts von dem verstehe, was ich mache. Das Verstehen kommt allerdings nicht von allein. Hier braucht es Eigeninitiative und Verantwortung und das ist für viele unbequem. Das ist wie mit dem Sport, ein gewisses Maß an Disziplin, bevor sich der Erfolg einstellt und man nicht mehr ohne kann. Sportler gibt es weitaus mehr als gute Investoren und Finanzrocker. 

Ohne Disziplin geht nichts

Ich bin kein Profisportler und auch kein Finanzexperte. Trotzdem bin ich mit Begeisterung dabei und kriege etwas zurück – wenn ich Sport mache, einen gesunden Körper, und wenn ich mich um mein Geld kümmere, dann freut sich mein Konto. Ich habe keine Angst Geld zu verlieren, denn wenn ich gar nicht erst investiere, kann ich auch nichts verdienen. Ich sehe das sportlich: wenn ich nicht mitspiele, kann ich nicht gewinnen. Ich verliere natürlich nicht gern, doch wenn es passiert, lerne ich dazu und werde besser. Darum geht es letztendlich: ums Lernen. Wenn ich viel ausprobiere und viel über Geldanlagen weiß, macht das investieren erst richtig Spaß.

Besonders dankbar bin ich, dass ich mit meinem Mann einen Menschen in meinem Leben habe, der genauso an Finanzen interessiert ist, wie ich. Wir hören die gleichen Podcasts, lesen die gleichen Bücher, philosophieren über neue Geschäftsideen, bilden uns gemeinsam weiter und probieren Neues aus. Das rate ich auch allen meinen Freunden und Bekannten: umgebt euch mit Gleichgesinnten und ihr werdet merken, wie viel Freude so ein augenscheinlich langweiliges Thema bringen kann.

Das beflügelt mich total und durch die gewonnene Begeisterung und Motivation lerne ich unheimlich viele interessante Menschen kennen, die mir neue Blickwinkel eröffnen und mich bereichern. Ich erweitere durch meinen Blog auch mein Netzwerk. Ich bin nicht mehr die unbekannte Bloggerin, die andere erfolgreiche Frauen anschreibt und nach einem Interview fragt. Ich werde angeschrieben und um Zusammenarbeit gebeten. Das fühlt sich gut an.

Finanzielle Freiheit = Glück?

Ich habe kürzlich eine einzigartige Frau kennengelernt: Kery Fay. Eine überaus talentierte Sängerin, die am 8. Februar ihr erstes Album veröffentlichte. Ich durfte sie exklusiv zum Thema Geld interviewen, denn auch Künstler können nicht nur von Luft und Liebe leben. Da ich einen Finanz- und keinen Musikblog schreibe, wollte ich natürlich wissen, was sie über finanzieller Freiheit denkt. Sie sagte, finanzielle Freiheit wäre der Inbegriff von Glück für sie und würde bedeuten, keinen Plan B haben zu müssen, falls es mit der Musikerkarriere nicht funktioniert. Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Mein ganzes Leben fühlte sich auf einmal wie Plan B an, weil ich Plan A nicht kannte und verfolgte.

Das ist jetzt anders. Ich bin weder reich noch mit einem eigenen Unternehmen super erfolgreich. Ich ging einem normalen Job nach, der mir unheimlich viel Spaß machte. Ich hatte tolle Kollegen, einen wunderbaren Chef und jede Freiheit, die man sich im Job wünschen kann, doch meine Erfüllung finde ich in eigenen Projekten, wie meinem Blog. Ich habe keine Angst vorm Scheitern.

Langfristig möchte ich mich unabhängiger machen, nicht weil ich meinen Job nicht mag, sondern weil ich einen Mehrwert schaffen möchte, mit Dingen, für die mein Herz brennt. Ich möchte selbstbestimmt sein, ohne mich finanziell einzuschränken. Ich mochte meinen Plan B sehr, doch mein Plan A ist mir wichtiger. Deshalb habe ich von heute auf morgen gekündigt und konzentriere mich jetzt auf meine Familie und eigene Ideen. Das fühlt sich ganz schön komisch an.

Dank meiner finanziellen Bildung und meiner Investitionen habe ich mir ein Stück Freiheit geschaffen und kann die nächsten Monate gut ohne regelmäßiges Einkommen überbrücken. Ich möchte mir später nicht sagen müssen, ich hätte es nicht versucht und falls es langfristig nicht so funktioniert, wie ich es mir vorstelle, dann ist das halt so. Das Leben geht weiter und bietet mir tausende Möglichkeiten. Die Richtung, in die ich gehe, ändert sich ständig. Das ist ganz normal. Ich bin nicht sprunghaft und handle nicht unüberlegt, auch wenn das vielleicht manchmal so wirkt.

Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, dann mache ich das auch. Wenn ich währenddessen feststelle, dass ich mich geirrt habe, renne ich nicht unnötig der geplatzten Luftblase hinterher und verschwende wertvolle Energie und Zeit, sondern ich wechsele den Kurs und steuere mein nächstes Ziel an. Bis jetzt bin ich immer angekommen und habe auf dem Weg eine Menge gelernt. Ich freue mich auf mein 2019, auch wenn mir das ein flaues Gefühl im Magen bereitet, vor Respekt und Vorfreude. Das Beste: meine Freunde und Familie unterstützen mich in meinem Vorhaben, geben mir Mut und Kraft und bestärken mich. Wenn nicht jetzt, wann dann? Ich habe ja nichts zu verlieren, sondern kann nur an Erfahrung und an Freiheit gewinnen, also spiele ich mit. Du kannst das auch.

Für Gründerinnen

Werde auch du zur erfolgreichen und unabhängigen Gründerin.<

 

4 Kommentare

  1. Susa

    hm, da ist jetzt so keine Aussage .
    Schade.

    Antworten
  2. Anke

    Liebe Anne,

    gerade die Tage habe ich mit Hanna kurz über dich gesprochen, da hat sie mir den Link zu diesem Artikel weitergeleitet.
    Ich finde es klasse, was du machst und dass du mit deiner Art anderen Frauen Mut machst und somit auch Ansporn für andere bist! Gleichlautend wie dein neues Projekt bist du wirklich eine Macherin 🙂 Weiterhin dir alles Gute, vor allem für das neue Projekt!!!
    Liebe Grüße,
    Anke

    Antworten
    • Annie Schnabelkraut

      Vielen Dank, liebe Anke. Das schätze ich sehr. Ich sende dir sonnige Grüße nach Hamburg! 🙂

      Antworten

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